Ewiges Warten auf den Anruf

Mich kotzt es an, dass ich hier sitze und auf einen Anruf warte, dass ich darauf warten muss, ob ich den Job, um den ich mich beworben habe, bekomme oder nicht. Noch einmal anrufen kann ich nicht und es kotzt mich an, dass ich mich deshalb nicht konzentrieren kann. Es kotzt mich an, dass ich überhaupt so dringend einen neuen Job brauche. Dass ich schon mit dem ersten Tag das neue Jahr wahrscheinlich ohne (bezahlte) Arbeit beginne. Mich kotzt die Vorstellung an an Weihnachten der halben Verwandschaft meines Freundes erklären zu müssen, warum ich denn in der Zwischenzeit noch keinen Ersatz-Job gefunden habe und ich würde am Liebsten den Leuten ins Gesicht schreien, dass sie sich aus meinen Angelegenheiten heraushalten sollen. Mich kotzt es an, dass ich noch immer mein Studium nicht durch hab. Dass ich schon wieder festhänge und es nicht schaffe irgendwie weiter zu machen. Weil Professoren immer noch einen drauf setzen müssen. Es kotzt mich an, dass ich es nicht fertigbringe das zu tun, was ich für richtig halte, dass ich dem Urteil anderer oft mehr vertraue als meinem eigenen. Es kotzt mich an, dass ich mich damit immer wieder selbst bescheiße. Das alles ist deshalb so zum Kotzen, weil sich um mich herum ganze Welten aufbauen. Menschen heiraten, bekommen Kinder, kaufen Wohnungen. Und ich bin frustriert und wie gelähmt und voller Zweifel. Und ich mache mir Sorgen über den steigenden Fleischkonsum, das Bienensterben und das Schmelzen der Polkappen. Es kotzt mich an, dass die, die sich um gar nichts scheren, glücklich sind und die, die manches gern in Ordnung bringen würden, daran zugrunde gehen.

Ewiges Warten auf den Anruf
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